I, Frankenstein (2014)

ifrankenstein

Kevin Grevioux hat einen ziemlich interessanten Werdegang hinter sich. Er studierte Mikrobiologie an der Howard University in Washington D.C. und schloss erfolgreich ab, arbeitete dann auf einen Master in Genetic Engineering hin und besuchte nebenbei noch ein paar Kurse in Screenwriting und Kinematographie, just for fun, wie man sich so erzählt. Seinen Master brach er nach kurzer Zeit ab, denn Grevioux merkte recht rasch, dass ihm Schreiben mehr liegt. Und so schrieb er schon nach kurzer Zeit das Drehbuch für den ersten „Underworld“-Film und war von da an eine feste Hausnummer in Hollywood. Was zeichnet Hausnummern sonst so aus? Sie sind recht statisch. Und so scheint sich das auch mit Grevioux‘ Arbeitsfeld zu verhalten, wenn man mal einen Blick auf „I, Frankenstein“ wirft, seine Adaption seines eigenen Comics.

„I, Frankenstein“ versteht sich selbst mehr oder weniger als Sequel zur originalen Mary Shelley Geschichte um Victor Frankenstein und seine Kreatur. Und „direkt“ kann man in diesem Fall wortwörtlich nehmen. Denn kaum hat der Film die Handlung von Shelleys Roman in knappen Worten paraphrasiert, tauchen grob geschätzt zwölf Sekunden später Dämonen aus der Hölle auf, die die Kreatur, in diesem Film Adam genannt, aus irgend einem nebulösen Grund Jagd machen. Glücklicherweise retten ein paar Gargoyles in Gottes Auftrag Adam das Unleben und erzählen ihm von dem äonenalten Konflikt, der zwischen ihnen und den Dämonen herrscht. Das Angebot, sich da hinein ziehen zu lassen, lehnt Adam dankend ab, ehe er für zweihundert Jahre untertaucht, nur um in der modernen Welt dann doch kräftig mitzumischen.

Keine Ahnung, wie sich das mit Grevioux‘ Comic verhielt, es ist schwer genug, überhaupt in Erfahrung zu bringen, ob und wenn ja in welcher Form das Ding bislang erschienen ist, aber in der vorliegenden Filmform ist „I, Frankenstein“ eine inhaltliche Katastrophe. Eine unterhaltsame, teilweise unfreiwillig komische Katastrophe, aber das ändert nur wenig an ihrem Ausmaß. Die Liste der Plotholes ist lang, die der logischen Storyentwicklungen kurz. Und wenn man am Ende des mit 78 Minuten erstaunlich kurzen Films irgend etwas gelernt hat, dann, dass die ganz manierlichen Actionszenen in „I, Frankenstein“ dringend einen besseren Film verdient hätten.

Zwar sieht das Ding nicht unbedingt nach den 60 Millionen Dollar aus, die da drin gesteckt haben, gerade die wirklich günstigen Dämonenmasken, die Reminiszenzen an die „Buffy“-Fernsehserie wecken, sowie die etwas grob gewerkelten CGI-Gargoyles hätte man so oder so ähnlich auch schon vor fünf oder zehn Jahren hinbekommen, aber das prinzipielle Ausmaß und die Intensität der Actionszenen geht schwer in Ordnung. Auch glänzen sie durch kreative kleine Einfälle, wie das lustige „Schau wo das Gargoylesymbol sich jetzt gerade befindet“-Suchspiel. Und ja, Aaron Eckhart und Bill Nighy sind verdammt gute Schauspieler, ersterer sogar ein erstaunlich patenter Actionheroe, Yvonne Strahovski bietet was fürs Auge und Miranda Otto weiß auch so ungefähr, was sie tut. Aber bei dem hirntoten Plot kann all das auch nicht mehr viel reißen. „I, Frankenstein“ ist ein passabel unterhaltsamer Autounfall von einem Film, der gut für Unterhaltung an einem verregneten Samstagnachmittag herhalten dürfte. Mehr leider nicht.

I, Frankenstein
Australien/USA/2014
Regie: Stuart Beattie
Darsteller: Aaron Eckhart, Yvonne Strahovski, Bill Nighy
FSK: 16

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Filme abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu I, Frankenstein (2014)

  1. Matt schreibt:

    Ich hab den Film vor einiger Zeit gesehen und wurde doch etwas enttäuscht. Die Erwartung war – aus welchen Gründen auch immer – wohl zu hoch. Die Ähnlichkeiten zu Underworld sind einfach zu gravierend – und gleichzeitig ist ein Underworld Klon ohne die bekannten Gesichter doch gleich irgendwie zum Scheitern verurteilt, auch wenn Nighy mitspielt…
    für ein einmaliges Ansehen ok – aber die BluRay wird sicher nicht gekauft 😀 Das mit dem Comic wusste ich übrigens gar nicht.

    • theharbinger87 schreibt:

      Die Enttäuschung war bei mir nicht so groß, einerseits weil ich schon ungefähr eine Ahnung hatte, was da auf mich zukommt, andererseits, weil ich jetzt „Underworld“ zwar für einen ansehnlichen Actionreißer aber sicher nicht für großes Autorenkino oder sonst was in der Richtung halte. Zumal quasi die komplette Darstellerriege inklusive Bill Nighy in „Underworld“ ENTSETZLICH war. Trotzdem ein netter Film. Netter als „I, Frankenstein“ auf jeden Fall, bei den Fortsetzungen bin ich mir da aber nicht mehr so sicher.

      Und was die Comicvorlage zu „I, Frankenstein“ angeht… Viel Erfolg dabei, da irgend was definitives zu finden. Ich glaube irgendwo online mal ein Cover aufgestöbert zu haben, aber das war’s dann auch schon. Scheint kein großer Erfolg gewesen zu sein, wenn das World Wide Web sich quasi komplett dazu ausschweigt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s