The Devil’s Double (2011)

devilsdouble

Wenn man Latif Yahia glauben kann, dann hat der gute Mann eine ganze Menge heftigen Kram durchgemacht. Denn laut seinem Buch „The Devil’s Double“ war Yahia von 1987 bis 1991 ein sogenannter Fedai, ein Doppelgänger für Saddam Husseins ältesten Sohn Uday Hussein. Wieso man ihm nicht glauben sollte? Weil Yahias Aussagen seit Jahren von Journalisten, CIA-Agenten und ehemaligen irakischen Insidern angezweifelt werden. Ob und inwiefern also Yahias Geschichte der Wahrheit entspricht ist nicht ausreichend geklärt, aber immerhin sorgte sie für genug Aufsehen, dass der neuseeländische Regisseur Lee Tamahori einen Film daraus strickte. Ob der was taugt?

Das kommt wie so oft ganz darauf an, mit welchen Erwartungen man an den Film heran geht. Wer Unterhaltung sucht, der wird hier definitiv falsch liegen, denn „The Devil’s Double“ ist ein unbequemes, unangenehmes, stellenweise unheimlich brutales Portrait der finstersten Abgründe der menschlichen Seele. „The Devil’s Double“ schafft es auf eindringlichste Art und Weise das Unmenschliche, das der Mensch dem Menschen antun kann, wenn er sich darin sicher fühlt, sowie im Speziellen die Schrecken des irakischen Regimes darzustellen. Egal ob wahr oder nicht, „The Devil’s Double“ wirkt wahr, wirkt glaubhaft und stellt diese Dinge auf so schlüssige Art und Weise dar, dass fraglos vorstellbar ist, dass sie wahr sein könnten.

Ein großer Teil des Erfolgs des Films begründet sich auf seinen Hauptdarsteller Dominic Cooper, der sowohl Uday Hussein als auch Latif Yahia spielt. Und beide Rollen so unterschiedlich, dass es tatsächlich schwer fällt, sich vorzustellen, dass da derselbe Darsteller hinter steckt. Als Hussein ist Cooper laut, aufbrausend, vulgär und brutal, ein brüllender und zeternder Soziopath, der alle Menschen in seiner Umgebung terrorisiert und in Angst und Schrecken versetzt. Als Yahia ist er ruhig und kontrolliert, beinahe schüchtern. Besonders interessant wird die Sache, wenn Cooper Yahia spielt, der Hussein spielt, aber das sollte man selbst gesehen haben, das lässt sich schlecht in Worte fassen. Fakt ist, dass gerade Coopers Interaktion mit sich selbst einen wichtigen Teil der filmischen Dynamik ausmacht.

Davon abgesehen passt das Wort „intensiv“ bei „The Devil’s Double“ wie die Faust aufs Auge. Tamahori inszeniert den Film in einem wahnsinnigen Tempo, hetzt von einer Szene zur nächsten und gönnt dem Zuschauer kaum eine Atempause. Augenblicke brutaler Gewalt wechseln sich im Minutentakt mit trübem Nihilismus und dekadenten Ausschweifungen ab, die ein fürchterliches Bild von elitärem Machtmissbrauch und institutionalisierter Unmenschlichkeit zeichnet. „The Devil’s Double“ ist ein gut gemachter, sehr interessanter Film, der aufgrund seiner Schonungslosigkeit sicher nicht jedem gefallen wird, der aber alleine aufgrund seiner angesprochenen Themen wahrgenommen werden sollte, egal ob wahr oder nicht.

The Devil’s Double
Belgien/Niederlande/2011
Regie: Lee Tamahori
Darsteller: Dominic Cooper, Ludivine Sagnier, Raad Rawi
FSK: 16

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