From Paris With Love (2010)

fpwl

Für viele feierte der Franzose Pierre Morel mit der unerwartet harten und fiesen Liam Neeson Tour-de-Force „96 Hours“ seinen überraschenden Durchbruch. Manch einer hatte vielleicht auch schon Morels ähnlich geartetes aber deutlich augenzwinkernder gestimmtes Debüt „Ghettogangz – Die Hölle vor Paris“ (von dem dieser Tage das amerikanische Remake mit dem kürzlich verstorbenen Paul Walker in der Hauptrolle unter dem Titel „Brick Mansions“ die Kinosäle entert) gesehen oder Morels Kameraarbeit in diversen von Luc Besson produzierten Vehikeln wahrgenommen. So oder so, auf dem internationalen Schirm tauchte der Name Pierre Morel erst mit „96 Hours“ so wirklich auf, dann aber oft auch direkt unter dem Schriftzug „Der beste Actionregisseur, den wir im Augenblick haben“. Dementsprechend viel erwartete man dann von Morels nächstem Projekt. Und frei nach dem Motto „Schuster bleib bei deinen Leisten“ handelte es sich bei diesem, Betitelt „From Paris With Love“ einmal mehr um einen eher wenig zimperlichen Actionhobel, angesiedelt in der französischen Metropole. Voilà.

Recht schnell wird deutlich, dass Morels mit „96 Hours“ unternommener Ausflug in die Welt der grimmigen Ernsthaftigkeit nicht von Dauer war. Denn auch wenn „From Paris With Love“ mit Drogenhandel und internationalem, pseudoreligiös motiviertem Terrorismus eher wenig komische Subjekte beackert, tut er dies doch mit einer Leichtfüßigkeit und einem Fingerspitzengefühl, um das den Film sicherlich keine Baletttänzerin und kein Chirurg beneiden wird. Hier regiert der Holzhammer. Terrorverdächtige und solche, die es noch werden wollen, werden vom Mann der Stunde, Charlie Wax, unbürokratisch ins nächste Leben befördert. Die Sicherheit von Unschuldigen ist zweitrangig und Sachbeschädigung in großem Umfang zählt ja für Actionhelden auch eher zu den Kavaliersdelikten. Und ja, wenn’s dem Fall zuträglich ist, dann nimmt man auch wohl mal die eine oder andere Hand voll Koks zu sich. Kennt man ja. Die Vermischung von ernsthaften, mehr oder weniger realpolitischen Themen (die auch eher einseitig behandelt werden) mit larger-than-life Macho-Action-Bullshit ist eine heikle Sache und man kann sicherlich niemandem verdenken, wenn er die Herangehensweise von „From Paris With Love“ als „eher geschmacklos“ bezeichnet.

Aber gottverdammt, macht das Ding einen Haufen Spaß. Tatsächlich hat man ein ähnliches Tempo, eine ähnlich atemlose Hatz von einer adrenalingeladenen Actionszene zur nächsten, eine ähnliche Intensität wohl seit „Running Scared“ nicht mehr erlebt, wobei „From Paris With Love“ eine deutlich entspanntere Beziehung zu solchen Kinkerlitzchen wie „Regeln der physikalischen Realität“ und selbstverständlich „Bodycount“ hat, als Wayne Kramers Actionthriller. Und der war auch schon nicht besonders zimperlich. „From Paris With Love“ lässt tatsächlich kaum einen Augenblick Zeit zum Durchatmen, eine Actionszene folgt auf die nächste und wenn man dann mal denkt, dass jetzt ein wenig das Tempo herausgenommen wird, dann kann man sich ziemlich sicher sein, dass der nächste Bock geschossen wird in fünf, vier, drei… Meistens natürlich courtesy of Charlie Wax.

Man kann ja von John Travolta halten was man will, aber wenn er Bock auf irgend etwas hat und die Pferde nicht zu sehr mit ihm durchgehen (wie beispielsweise gesehen in „Battlefield Earth“), dann kann der auch schauspielern. Und sein Range ist in der Hinsicht ganz erstaunlich. Dramatische Rollen kriegt der Mann genau so hin wie komische, fiese Bösewichter kann er auch und auch in Actionfilmen hat man ihn schon das eine oder andere Mal gesehen. Trotzdem dürfte Charlie Wax eine neue Herausforderung für ihn gewesen sein. Travolta meistert sie souverän, ist absolut fantastisch als Wax und hat auch noch sichtlich Spaß an der Sache. Und erschafft so mit Charlie Wax, dem stets gewaltbereiten Superagenten mit den vielen Gesichtern und den eher unorthodoxen Methoden, die stets irgendwie ans Ziel führen, eine extrem memorable Figur, die definitiv noch ein paar mehr Filmauftritte verdient hätte. Nebenbei allerdings eine sehr gute Idee, Travolta nur die zweite Geige spielen zu lassen. Dadurch, dass Wax mit dem zwar äußerst fähigen aber doch konventionelleren James Reese, gespielt von Jonathan Rhys Meyers, gepaart wird, hat der Zuschauer immerhin noch so etwas ähnliches wie eine Identifikationsfigur, wenn Wax mal wieder völlig am Rad dreht. Und nebenbei verbindet Travolta und Rhys Meyers eine durchaus achtbare Chemie. Da macht das Zuschauen gleich nochmal so viel Spaß.

Der Rest ist dann eigentlich nicht der Rede wert und es sei jedem verziehen, der schon bei Einsetzen des Abspanns wieder vergessen hat, welchen schändlichen Plan Reese und Wax da eigentlich gestoppt haben und was überhaupt auf dem Spiel stand. Die Story ist einzig eine Entschuldigung, um Szenen aneinander zu reihen, in denen coole Figuren coole Dinge tun. Morel löst sich dankenswerterweise ein Stück weit vom heruntergekommenen Billiglook, den er in „Ghettogangz“ und „96 Hours“ kultiviert hat und sorgt dafür, dass „From Paris With Love“ optisch einiges hermacht. Und die Actionszenen krachen und poltern an all den richtigen Ecken und Enden. Nichts für Leute, die nach feingeistiger Unterhaltung suchen, und wie gesagt kann man auch am laxen Umgang mit den durchaus ernsten Themen Anstoß nehmen, wer allerdings auf der Suche nach übertriebener Shoot ‚em Up-Unterhaltung ist, der kommt um „From Paris With Love“ nicht herum. Ein Travolta in Hochform ist da nur noch das Tüpfelchen auf dem I.

From Paris With Love
USA/Frankreich/2010
Regie: Pierre Morel
Darsteller: Jonathan Rhys Meyers, John Travolta, Kasia Smutniak
FSK: 16

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2 Antworten zu From Paris With Love (2010)

  1. Matt schreibt:

    Fand den Film echt cool – einer der besseren Travolta Filme der letzen Zeit 😀

    • theharbinger87 schreibt:

      Och, ich finde, Travolta hat sich in den letzten paar Jahren ganz gut gemacht. Vielleicht dreht er nicht unbedingt die besten Filme, aber er wählt doch definitiv interessantere Rollen. „Pelham 1-2-3“ war jetzt beispielsweise nicht besonders prall, aber Travolta war gut. Und dieser neue mit ihm und DeNiro interessiert mich auch halbwegs.

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