Chucky – Die Mörderpuppe (1988)

Chucky

Mit bislang nur sechs Langfilmen gehört Charles Lee Ray AKA „Chucky – Die Mörderpuppe“ tatsächlich eher zu den Leichtgewichten der Horrorveteranen. Gegen Pinheads inzwischen neun Auftritte oder Jasons 10+ Streifen (inklusive Reboot) kann der beinahe-Erfinder des Puppenhorror-Genres (Stuart Gordons „Dolls“ kam ein Jahr früher, aber daran erinnert sich eh kaum noch jemand) da selbstverständlich nicht anstinken. Aber das hatte bei Erscheinen des ersten „Chucky“-Films wahrscheinlich auch niemand erwartet. Denn obwohl „Chucky – Die Mörderpuppe“ ein recht moderater Erfolg an den Kinokassen war, waren all die anderen Horrorgrößen längst etabliert, als die Mörderpuppe 1988 nachzog.

Und ganz unverständlich ist es auch nicht, dass der gute Chucky gerne vergessen wird, wenn die großen Horrorfranchises aufgezählt werden. Nicht, weil „Chucky – Die Mörderpuppe“ oder auch nur einer seiner Nachfolger ein wirklich schlechter Film ist. Aber eben auch kein herausragender. Rein inhaltlich reißt der Grundstein der „Chucky“-Reihe schon keine Bäume aus und dann fehlt ihm auch noch der wirklich prägnante Aufhänger, um dauerhaft im Gedächtnis zu bleiben. Okay, der Killer ist eine Puppe (wie der deutsche Titel schon recht schamlos spoilert), big deal. Das ist natürlich an sich schon eine nicht ganz uninteressante Sache und gerade in Anbetracht des Entstehungsjahres erstaunlich kompetent umgesetzt, aber eben nur ein inhaltliches Element, weniger ein wirklich stilistisches. Der Film an sich und in Fortführung auch die ganze Reihe hat eben nicht die abgefahrene Mythologie von „Hellraiser“, die ungeschminkte Brutalität von „Freitag der 13.“, die kreative Freiheit von „Nightmare“ oder eben auch nur das Prädikat „Erster“ wie die „Halloween“-Reihe (wobei vielleicht nur „Erster“ aus amerikanischem Blickwinkel, wenn man jetzt anfängt, die Schandtaten der Italiener mit reinzurechnen…). Kurzum, „Chucky – Die Mörderpuppe“ wildert auf bekanntem Slasherterritorium, aber eher auf dem Niveau eines „Slumber Party Massacre“ als eines „Halloween“ (wenn wir jetzt mal „Halloween 3“ außenvor lassen).

Theoretisch gesehen zumindest. Denn obwohl hier inhaltlich Tropes sklavisch abgeklappert werden, die selbst zum Erscheinungsdatum schon ein alter Hut gewesen sein dürften, kommt bei „Chucky – Die Mörderpuppe“ nicht nur eine durchaus ansehbare sondern auch durchweg unterhaltsame Streifen herum. Leider aber auch einer, der öfter als gut für ihn ist spürbar Potential verschenkt. Zum Beispiel, indem der Film zu schnell die Karten auf den Tisch legt. Der ganze Plotstrang, der darum aufgemacht wird, dass die Erwachsenen es in Erwägung ziehen, dass Chucky-Besitzer Andy vielleicht doch einen an der Klatsche haben könnte und entsprechend an den unschönen Geschehnissen beteiligt sein könnte, wird eben nicht nur direkt vom Titel des Films ad absurdum geführt, der ja eben schon verrät, dass Chucky eine Mörderpuppe ist (zugegeben, nur in der deutschen Übersetzung, das originale „Child’s Play“ hält sich da etwas bedeckter), sondern auch davon, dass der Film schon von Anfang an recht deutlich macht, dass mit der Puppe etwas nicht in Ordnung ist (mitunter eben auch dadurch, dass quasi das erste, was der Zuschauer zu sehen bekommt, der tödlich verwundete Serienkiller Charles Lee Ray ist, der an der Goodguy-Puppe magischen Firlefanz anstellt). Dadurch büßt ein nennenswerter Anteil des Films empfindlich an Spannung ein, weil jeder, der Eins und Eins zusammenzählen kann wohl in der Lage ist, den Fortgang der Handlung mitzudiktieren.

Und auch das potentiell herzzerreißende Szenario, dass der kleine Andy feststellen muss, dass sein neuer Freund Chucky doch nicht so nett und cool ist, wird nur am Rande touchiert, weil der ganzen Beziehung zwischen Andy und Chucky zu wenig Platz eingeräumt wird, resp. deren Interaktion hauptsächlich daraus besteht, dass Andy sich Chucky ans Ohr hält und dann sagt, was Chucky gesagt haben soll. Was schade ist, weil gerade so eine Herangehensweise richtig hätte zünden können. Und das liegt hauptsächlich an den wirklich bemerkenswerten Schauspielern, die hier am Werk sind. Brad Douriff hat körperlich nur wenig zu tun, ist aber trotzdem fantastisch als Chuckys Stimme, auch wenn er sich hier im Gegensatz zu den späteren Filmen stark zurückhält. Chris Sarandon und Catherine Hicks sind als Leading-Duo durchaus brauchbar, zweitere auch definitiv glaubhaft als alleinerziehende Mutter, die mit ihrem Sohn Andy ein gutes Team abgibt. Und was Andy, gespielt von Alex Vincent angeht, so muss man dem damals sechsjährigen Jungen attestieren, das absolut Unwarscheinliche zu schaffen und eine wirklich liebenswürdige und durchaus sympathische Kinderfigur mit tragender Rolle darzustellen. Vincent ist tatsächlich große Klasse und trägt den Film auch durch seine schwächeren Augenblicke.

So ist „Chucky – Die Mörderpuppe“ zwar ein Film, der konzeptionell ein Stück weit zwischen den Stühlen sitzt, für einen mysteriösen Horrorfilm in vielen Dingen zu schnell zu deutlich, für einen tumb unterhaltsamen Slasher hat er die Bremse zu stark angezogen, trotzdem kann er durch gute Darsteller, eine ordentliche technische Schlagseite, einige wirklich starke Szenen und eine straffe Laufzeit von unter 90 Minuten durchaus punkten. Unterhaltsam anzusehen und gut als Ausgangspunkt für das Franchise, aber leider nicht viel mehr.

Chucky – Die Mörderpuppe
USA/1988
Regie: Tom Holland
Darsteller: Catherine Hicks, Chris Sarandon, Alex Vincent
FSK: 16

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2 Antworten zu Chucky – Die Mörderpuppe (1988)

  1. power_channard schreibt:

    Diese DVD-Fassung von Chucky habe ich auch und dank Wendecover verschwindet auch das hässliche FSK-Logo 🙂

    • theharbinger87 schreibt:

      Wendecover sind was feines, ja 😀 Ist leider unglaublich schwer im Internet ein Cover des Films zu finden. Zumindest ist mir der richtige Google-Suchbegriff noch nicht begegnet 😦 Falls du einen griffbereit hättest… 😉

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