Die City-Cobra (1986)

cobra

Der ’80er-Actionfilm ist so eine ganz eigene Spezies. Ein naives Relikt aus einfacheren Zeiten, in denen man mit ethisch-moralischen Grenzen in Film und Fernsehn noch etwas liberaler umging. Egal wie sehr Filme wie „The Expendables“ versuchen, diesen unverwechselbaren Spirit zu emulieren, so selbstverständlich, wie man sich damals treudoof über so Kinkerlitzchen wie die Unversehrtheit des menschlichen Leibes (wohlgemerkt, im Falle von gemeinen Bösewichtern) hinwegsetzte, schafft man das heute einfach nicht mehr. Da kommt man um die Söldnerschiene nicht mehr herum. Vorbei sind die Zeiten, in denen beispielsweise ein Schwarzenegger in einem urbanen Setting in knappen 90 Minuten mehr Leute umlegen durfte, als der durchschnittliche Kassierer im Supermarkt an einem ganzen Arbeitstag bedient, und hinterher noch von Polizei und Armee auf die Schulter geklopft bekommt, weil er ja der Gute ist und die die Bösen waren. So etwas traute sich im besten Falle noch der Lundgren-Hobel „Direct Action“. Aber egal. Es sollte ja um die tatsächlichen lärmenderen Auswüchse der ’80er Jahre des letzten Jahrhunderts gehen. Und wer da auf der Suche nach Alternativen zu den üblichen Verdächtigen à la „Rambo 2“ oder „Phantom Kommando“ sucht, der muss sich auch mal durch die weniger berühmten Klopper wühlen. Case in point: „Die City-Cobra“.

Besagter Film basiert auf dem Roman „Fair Game“ von Paula Gosling, der 1995 noch einmal mit William Baldwin und Cindy Crawford verfilmt wurde. Wer jetzt allerdings anspruchsvolle Unterhaltung erwartet, der ist schief gewickelt. Hauptdarsteller Sylvester Stallone strickte höchstselbst ein Drehbuch aus dem Stoff und tat sich mit „Rambo 2“-Regisseur George Pan Cosmatos zusammen, um das Ding möglichst brachial durch die Wand zu fahren. Honoriert wurde dieser Versuch mit sechs Nominierungen für die goldene Himbeere, mitunter als schlechtester Film und für das schlechteste Drehbuch. Das mag zwar ein wenig übertrieben sein (und wie viel Einfluss die Razzies tatsächlich haben und damals schon hatten lässt sich relativ gut am weltweiten Einspielergebnis des Films von knapp 160 Millionen Dollar ablesen), aber eine Sache lässt sich nicht verhehlen: Das gelbe vom Ei ist Stallones Drehbuch sicher nicht gewesen. Vor allem, da „Die City-Cobra“ keine Story hat.

Natürlich, der Film hat so nebensächliche Dinge wie Schauplätze, Figuren und meistens passiert auch irgend etwas auf dem Bildschirm, aber all das macht noch keine Story aus. Viel eher handelt es sich bei dem, was sich im Hintergrund von „Die City-Cobra“ abspielt, um ein Szenario. Das da lautet „Rabiater Cop beschützt Model vor Psychopathenbande“. Mehr tut sich in den angenehm kurzen knappen achtzig Minuten, die der Film dauert, nicht wirklich. Viel eher stolpert der Film von einer Flairkill-Szene zur nächsten, fiedelt nebenbei noch die eine oder andere Schießerei ein und hofft, dass so letzten Endes ein Schuh draus wird. Das faszinierende ist, dass Ansätze für eine Handlung tatsächlich da sind. Von der ersten Szene an versucht der Film nämlich, so etwas ähnliches wie eine tiefere Mythologie in die Motivationen der Night Slasher genannten Killertruppe hinein zu prügeln. Hier und da wird ein wenig von neuer Weltordnung und ähnlichem geredet, aber all das interessiert weder Hauptfigur Marion Cobretti, noch das Skript an sich sonderlich sondern verkommt lediglich zu Hintergrundrauschen für die Actionszenen.

Die zwar halbwegs patent sind, aber ohne eine umfassende Handlung fehlt einfach das emotionale Investment. Schwarzeneggers Ermittlungen in „Phantom Kommando“ waren jetzt sicherlich auch kein Sherlock Holmes, aber wenigstens hat der was gemacht. Irgend was. Um so größer dann auch die Satisfaktion, wenn der gute Colonel Matrix Arius‘ Inselfestung in Schutt und Asche legt. Obwohl also die (letzten Endes völlig übertriebene, aber das ist in Filmen solchen Kalibers nicht nur in Ordnung, sondern ausdrücklich erwünscht) Magnitude der Gewaltanwendung prinzipiell stimmt, lässt sie den Zuschauer ziemlich kalt.

Dass Brigitte Nielsen eine fürchterliche Schauspielerin und selbst mit der Rolle eines oberflächlichen Models sichtlich überfordert ist, sie keine nennenswerte Chemie mit Stallone verbindet und Sly selbst nicht so aussieht, als ob er überhaupt groß Bock auf den Film gehabt hätte, hilft da auch nicht wirklich weiter. Immerhin sind die Nebenrollen mit Art LaFleur, Andrew Robinson und David Rasche als schmierigem Fotografen vielleicht nicht besonders prominent aber doch sympathisch besetzt. Und ja, am Ende des Tages ist der große Showdown schon halbwegs auf dem Weg in Richtung „Phantom Kommando“ oder „Red Scorpion“. Wer also schon immer mal Sly ein Stück Pizza mit der Schere durchschneiden sehen wollte und wem ansonsten auch kontextfreie Massenschießerei reicht, der wird schon ein Stück weit seinen inoffensiven Spaß mit „Die City-Cobra“ haben. Derjenige könnte zwar auch einfach bei den letzten fünfzehn Minuten einsteigen, aber da der Film dankenswert kurz ausgefallen ist, kann man ihn auch mal am Stück durchgeschaut haben. Kein Glanzlicht, sondern eher die Samstag-Nachmittag-Unterhaltung des ’80er-Jahre-Actionkinos.

Die City-Cobra
USA/1986
Regie: George P. Cosmatos
Darsteller: Sylvester Stallone, Brigitte Nielsen, Reni Santoni
FSK: 18

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