Finding Teddy (2012)

findingteddy

So gut wie jeder wird wohl auf einer gewissen Ebene Empathie für die Horrorsituation aufbringen können, mit der der Spieler direkt am Anfang des Indie Adventures „Finding Teddy“ konfrontiert wird: Während ein kleines namenloses schwarzhaariges Mädchen den Schlaf der Gerechten schläft, öffnet sich der Wandschrank, ein haariges Spinnenbein kommt heraus und entreißt dem Mädchen seinen kuscheligen besten Freund, ehe es wieder verschwindet. Klare Sache, hinterher in den Schrank, Teddy muss zurück geholt werden.

„Finding Teddy“ präsentiert sich dabei als reichlich minimalistisches Point & Click Adventure. Der Mauszeiger sowie die linke Maustaste reichen aus, um sich durch die surrealistischen Welten zu bewegen und die zahlreichen Rätsel zu lösen, auf ein UI wird größtenteils verzichtet, lediglich wenn man eine Weile still steht, wird ein Knopf für die Optionen, ein Pfeil für jeden Ausgang des Raumes sowie ab einem bestimmten Punkt in der Handlung das Symbol für die gefundenen Noten eingeblendet (und selbst dann sind es keine wirklichen Knöpfe, die Untermenüs lassen sich auch erreichen, wenn die Einblendungen nicht vorhanden sind, es ist nur eine Art „Hinweis“, dass folgendes ja auch noch da ist, falls man’s vergessen haben sollte).

Noten? Ja, Noten. „Finding Teddy“ verzichtet quasi komplett auf Dialoge (mehr oder weniger), hat allerdings eine Anzahl von Rätseln, die sich über Musik lösen lassen. Oder auch nicht, prinzipiell stehen die Noten für Buchstaben und so können in gewissen Situationen Worte „gesungen“ werden, um Rätsel zu lösen. Es ist kein wirklich kompliziertes System, man braucht aber trotzdem ein paar Augenblicke, um vollends durchzusteigen. Und selbst wenn man damit klar kommt, weiß man immer noch nicht ganz wann man was davon einsetzen soll. Sowieso ist die komplette Rätselkomponente das schwächste Glied von „Finding Teddy“. Mit klassischer Logik lassen sich nur die wenigsten Probleme angehen, der unschöne Adventure-Auswuchs Trial & Error lässt oft und gerne grüßen und es ist nicht unwahrscheinlich, dass man einige der niederschmetternden Todesanimationen öfter sieht, als einem lieb ist.

Ja, das Wunderland hinter der Schranktür ist kein ungefährlicher Ort, wie das kleine Mädchen schon bald feststellen muss, wenn es von fremdartigen Kreaturen gefressen, zerquetscht, aufgespießt und noch auf andere Arten und Weisen ins nächste Leben befördert wird. Die kurzen Sequenzen sind trotz ihrer grimmigen Natur hübsch animiert und sorgen auch nicht für so viel Frust, wie man denken könnte. Wenn in „Finding Teddy“ was schief geht, dann ist man Augenblicke später wieder am Eingang des aktuellen Raums und kann sofort etwas anderes ausprobieren. Und wenn man sich dann mal eine Stunde oder vielleicht zwei durch den einen oder anderen Bildschirm durchprobiert hat, dann ist „Finding Teddy“ indiespieltypisch auch schon vorbei. „Finding Teddy“ ist nicht nur nicht besonders logisch sondern auch recht kurz.

Und trotzdem gut. Denn zum Einen hört „Finding Teddy“ auf, wenn alles gesagt ist, und versucht nicht, die Spieldauer künstlich aufzubauschen. Und andererseits versprüht das in hübsch gestalteter Retrografik zusammengepixelte Abenteuer massenweise Charme und Persönlichkeit und erzählt ohne große Worte eine nette kleine, sehr intime Geschichte, die besonders durch eine resolute Protagonistin, deren antreibende Kraft Neugier, Entschlossenheit und vor allem anderen der Wille etwas zu tun sind, sowie eine sehr herzliche Grundidee, zu der jeder, der nicht ein totaler Griesgram ist, irgendwo einen persönlichen Zugang finden können sollte, punkten kann. „Finding Teddy“ ist nicht perfekt, aber was das Spiel tut, tut es mit so einer Hingabe, dass man ihm schwer böse sein kann.

Finding Teddy
Erschienen auf: PC, Android, iOS
Erscheinungsjahr: 2012
Entwickler: LookAtMyGame
USK: –

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