Nobody (2007)

nobody

Niemand bedroht Rolo Toles mit einer Waffe. Schön für ihn, oder? Na ja, nicht ganz, denn “Niemand” nennt sich manchmal auch Mortemain, ist des öfteren mit schwarzer Schuhcreme im Gesicht auf den düsteren Straßen einer nicht näher benannten verlassenen Stadt unterwegs und wird in “Nobody”, dem ersten Film des Kanadiers Shawn Linden (kann man als “Props Buyer” des Dennis Quaid Vehikels “Horsemen” kennen, wenn man möchte), von Costas Mandylor gespielt. “Nobody” lief 2007 relativ erfolgreich auf diversen lokalen Filmfestivals, konnte ein paar Preise wie beispielsweise für die beste Kinematographie einstreichen und erschien 2010 in unseren Breitengraden direkt auf DVD. Kritiker verglichen ihn mit David Lynch oder Christopher Nolans “Memento”, angereichert mit einer Prise Film Noir Attitüde und ein paar Horrorelementen. Oh, und von deutlich geringerer Qualität.

Wenn man sich so auf einschlägigen Internetportalen umschaut, dann genießt “Nobody” keinen besonders guten Ruf. Sehr schade. Aber leider auch allzu verständlich.

Denn massenkompatible Unterhaltung ist das, was Linden hier zusammenzimmert ganz sicher nicht. Dabei fängt alles doch gar nicht mal so uninteressant an. “Nobody” wirft den Zuschauer direkt in die laufende Handlung (und ich benutze dieses Wort äußerst leichtsinnig) ohne sich groß um Erklärungen zu scheren. Das zieht relativ gut, auch wenn die emotionale Fallhöhe doch eher seicht daher kommt. Lynch ist das nicht, denn wo der alte Herr aus Montana anfänglich oft noch zumindest den Anschein von Normalität an die Front schickt, nur um dem Zuschauer dann um so effektiver den Teppich, die Dielen, den Keller, das Fundament und vielleicht noch etwa zehn Meter Erdboden unter den Füßen weg zu ziehen, ergeht Linden sich hier relativ rasch in abgedrehter Mindfuckery, was uns als Zuschauer ziemlich konsequent auf Distanz hält. Ist ja per se nicht verkehrt, aber es fällt eben schwer, emotional in etwas zu investieren, das so etwas künstliches und unwirkliches an sich hat, wie die ersten Minuten von “Nobody”.

Was Linden aber definitiv raus hat ist die Noir-Attitüde. Dunkle Gassen, Männer in langen Trenchcoats mit Hüten auf den Köpfen, schmierige Stundenhotels, Gramophone und abgeranzte Telefonzellen, die Ausstattung stimmt und die Kamera fängt die düstere Atmosphäre mehr als adäquat ein. Den Preis für die Kinematographie kann der Film sich nicht zu unrecht in den Schrank stellen.

Und so hält “Nobody” den Zuschauer dank der schicken Optik und der fesselnden Atmosphäre eine ganze Weile gut bei der Stange. Das größte Problem wird aber relativ rasch offensichtlich: Die Story führt nirgendwo hin. Buchstäblich wie auch metaphorisch gesprochen. Denn nicht nur dreht der Film sich über seine 88 Minuten hinweg quasi durchgängig im Kreis, auch wird, sobald der Film sich dem Abspann nähert, relativ deutlich, dass hinter der verkopften Fassade nicht viel steckt, wir es viel mehr mit selbstzweckhaftem pseudokünstlerischen Herumgeseier zu tun haben, das keinen Sinn, keinen Zweck, keine Aussage hat und seine erstaunlich banale Grundidee noch enttäuschender wirken lässt. Verdammt schade, denn die Schauspieler sind zwar nicht unbedingt erstklassig, aber doch auf jeden Fall grundsolide. Gerade Costas Mandylor – der große Teile des Films ganz alleine tragen muss – und Ed O’Ross leisten gute Arbeit. Und ja, der Film ist wunderhübsch, die Soundkulisse weiß zu überzeugen, die noirische Atmosphäre lässt sich mit dem Messer schneiden… Letzten Endes kommt dabei aber lediglich ein Film raus, der von der handwerklichen Seite so viel mehr verspricht, als er inhaltlich halten kann. Mehr was zum Ansehen als zum wirklich Schauen.

Nobody
Kanada/2007
Regie: Shawn Linden
Darsteller: Costas Mandylor, Ed O’Ross, Darren Wall
FSK: 16

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